Zeche Nachtigall Witten (LWL Museum)

Warumich die Nachtigall erst verstehen musste, das Ergebnis aber durchaus überzeugte.

Wir fuhren in das LWL Museum Zeche Nachtigall im Muttental in Witten und dachten es handelt sich um eine Zechenanlage, wie wir im Ruhrgebiet (zum Glück) noch einige haben. Kohle wird zwar so gut wie nirgendwo mehr  gefördert, doch erhaltenswert sind die Industriekultur und deren gewachsenes Umfeld auf jeden Fall. Darum soll es aber erst später einmal gehen. Nun sind wir erst einmal in der Wiege des Ruhrbergbaus, und was wir hier sehen ist eigentlich eher die Geschichte eines frühen Förderstandorts im Wandel der Zeit.

Die Zeche Nachtigall fördert seit 1743 an dieser Stelle im Stollenbetrieb Steinkohle, beginnt nach 1832 aber die Förderung mit dem ersten Tiefbauschacht (Neptun). Diesem folgt Herkules 1839 und Catharina 1845. Die Betreiber der Zeche hatten es nicht immer einfach, da die Technisierung der Tiefbauschächte den Inhabern damals alles mögliche abverlangte. Also standen technischer Aufwand und damit auch die Investitionen schon früh in einem schlechten Verhältnis zum Ertrag. Die Ruhr als schwieriger  und damals unzuverlässiger Transportweg trug auch dazu bei, dass schon 1892 Schicht im Schacht war und die Zeche den Betrieb einstellte. Das Gelände wurde an den Tiefbauunternehmer Dünkelberg verkauft und dieser errichtete an diesem Standort eine Dampfziegelei und später zwei Ringöfen.

Warum nennt sich dies Museum denn dann noch heute Zeche Nachtigall?

Ganz einfach die Zeche war die erste und wichtigste Ansiedlung dort. Da man in dem alten Stollenbetrieb den wichtigen Tonschiefer abbauen konnte, der als Rohstoff der Ziegel diente,wurde an diesem Ort die Ziegel Brennerei errichtet. Der vorhandene Stollen wurde später auch in ein Nachbartal durch getrieben, um den dort im Tagebau abgebauten Tonschiefer mit Loren auf kürzestem Weg durch den Berg zur Ziegelherstellung befördern zu können. Wichtig für die Brennerei war natürlich auch die direkte Anbindung an das Bahngleis, welches schon in der letzten Phase  der  Zechenförderung  gebaut wurde. Der Umnutzung des Geländes fiel fast die ganzen Tagesanlagen Opfer. Einzig die alte Werkstatt und das Maschinenhaus von Schacht Herkules (um 1867) wurden  umgenutzt  und blieben so erhalten. Weiter blieb natürlich auch der alte Stollen erhalten, den ich aber in einem anderen Punkt noch beschreibe.

Damit die Ursprüngliche Geschichte der Zeche vom Museum noch beschrieben werden konnte, würde in den noch vorhandenen Bauten die Dauerausstellung  untergebracht. In dem Maschinenhaus wurde eine neuere Dampfmaschine an dem ursprünglichen Ort eingebaut. Diese stammte aus der Zeche Haniel und gleicht in etwa der Ursprünglichen Anlage. In dem Ringofen findet man heute die wieder aufgedeckte Öffnung des Schachtes Herkules und einen Teil der Ausstellung über den Bergbau.

Zeche Nachtigall Teil I Die Reste der Zeche

Was sieht man noch alles auf dem Gelände?

Hinter der Werkstatt findet man die „Zeche Eimerweise“. Eine Sammlung rund um die Kleinzechen, die besonders direkt nach dem zweiten Weltkrieg betrieben wurden. Sie förderten nur nahe an der Oberfläche, sind somit auch nur dort gewesen, wo die Flöze auch dicht an die Oberfläche reichen.

So gab es  zwischen Witten, Hattingen und Bochum einig hunderte dieser Anlagen. Manche förderten nur einige Monate, andere hingegen bis in die 70ger Jahre, bis auch die „größeren“ Anlagen nicht mehr wirtschaftlich waren. Diese Kleinzechen sind Ausdruck der Mangelwirtschaft direkt nach dem Krieg. Daher wurden einige auch von Industrie Unternehmen betrieben, die sich so ihre Kohlen selber förderten, bis die Großzechen diese billiger zur Verfügung stellen konnten.

Zeche Nachtigall Teil II Kleinzechen

Die Ziegelei Dünkelberg (Doppel Ringbrennofen) ist das größte Gebäude im Museum. Der erste Ofen beherbergt heute einen Teil der Bergbauausstellung. Im Zweiten befindet sich eine Ausstellung über die Brennerei (Originalstandort). Dieser Ringbrennofen geht auf ein Patent aus dem Jahr 1885 von Friedrich Eduard Hoffmann zurück. Diese Ofenbauweise revolutionierte die Brennerei. Er besteht aus 12 Brennkammern die rundherum nacheinander kontinuierlich gebrannt  werden. Durch den kontinuierlichen Brand wurde mehr und schneller produziert. Die Steine wurden aber auch in der Industriellen Revolution dringend Gebracht und so ging es dem Betrieb wirtschaftlich fast durchgehend gut.Probleme traten nur während der Kriegsjahre auf, da der Betrieb nicht kriegswichtig war.  Der Firma  schloss 1960.

Es war wohl kein besonders angenehmer Arbeitsplatz, aber das hatten damals ja viele Arbeitsplätze gemein.

Zeche Nachtigall Teil III Ziegelei Dünkelberg

Hinter dem Brennofen steht ein Nachbau eines Ruhrnachen (Kohlenschiff). Wir befinden uns also im Teil der Ausstellung, der über den Kohletransport zu Beginn der Zechentätigkeit informiert . Nach 1780 wurde die Ruhr schiffbar gemacht. Es wurden Schleusen und Wehre angelegt und trotz aller Maßnahmen war die Ruhr ein alles andere als einfacher Transportweg. Bei Niedrig- und bei Hochwasser musste der Transport ruhen und die Kohlen häuften sich in der Niederlage der Zeche. Wenn der Transport lief wurden je nach Wasserstand die Kohleschiffe von Hand halb bis voll beladen. Man segelte nun, oder ließ sich von der Strömung treiben. Endstation der Schiffe war dann Ruhrort. Dort wurde dann entladen und die Schiffe wurden per Treidel wieder Flussaufwärts gebracht. Ruhrnachen waren speziell für die Ruhr gebaut und hatten wenig Tiefgang. Nach 1845 wurde der Transport für die Zeche Nachtigall von Fluss auf die Bahn verlegt. Ab 1875 hatte die Zeche eine Verladestelle in der die Loren direkt in die Transportwagen entleert wurden. Gut gelungen ist in der Ausstellung eine Nachproduktion der antiken Ruhrkate in ganzer Länge.

Zeche Nachtigall Teil IV Kohlenschifffahrt

Von der Ruhrnache folgen Sie der Loren Bahn und landen nun automatisch im Besucherstollen. Dieser Stollen kann nur geführt besucht werden. Alle Besucher erhalten ein Geleucht und einen Schutzkittel. Beim Besuch sollte man aber feste Schuhe und nicht gerade Sonntagskleidung tragen. Wichtig ist auch, dass die Besucher keine Raumangst haben. Da man nicht überall aufrecht stehen kann, sollte man auch keine Rückenprobleme haben.

Zeche Nachtigall Teil V Besucherbergwerk

 

Fazit: Ein wirklich gelungenes Technikmuseum! Das Personal  ist sehr freundlich und natürlich besitzt das Museum auch einen themenbezogenen Kinderspielplatz (Wie alle LWL Technik Museen). Die Museumsgastronomie  befindet sich im Außenbereich (teilweise überdacht) hier kann  man kleine Speisen, Erfrischungen und Kaffee und Kuchen genießen. Auf jeden Fall mal Rasten!

Für den Ausflug sollte man einen Tag einplanen.

 

Genießen Sie nach dem Besuch auf jeden Fall auch die Ruhe an der nahen  Ruhr.