Archäologischen Landesmuseum für Westfalen (LWL Museum)

Warumich diese Woche viel über lange Linien Nachgedacht habe.

An dem Tag, an dem wir Richtung Herne unterwegs waren war es kalt und nieselig, also perfekt!

Auf jeden Fall wenn man sich die Dauerausstellung des Archäologischen Landesmuseum für Westfalen vorgenommen hat. Archäologie weckt gleich das Bild von Steinen, Scherben und Knochenresten vor meinem geistigen Auge, also mal sehen was uns geboten wird.

Erst mal rein ins Parkhaus. Leider muss man dort parken, da das Museum keinen eigenen Parkplatz hat, was sich über die Zeit leider als nicht günstig erweist. Quer über den Platz und runter ins Museum. Die interessante Architektur des Gebäudes setzt irgendwie auf die Wirkung von Treppen.

Dies muss Besucher mit Gehbehinderung aber nicht schrecken, die Ausstellung ist auch barrierefrei zu erreichen. Die 3000m² der Dauerausstellung betritt man durch den Wald der Geschichte dieser besteht aus versteinerten Bäumen (14.000 Jahre alt) welche mit bekannten Zitaten  über die Geschichte versehen sind.

Ab hier folgt man einem 210 Meter langen Band aus Eisenplatten, das durch die Geschichte der Menschheit führt. Auf den Eisenplatten stehen die Jahreszahlen und die wichtigen Ereignisse der Zeit immer passend zu den Ausstellungsstücken. Wir beginnen vor 250.000 Jahren und enden in der Neuzeit, genauer in den Trümmerfunden des zweiten Weltkriegs. Der Schwerpunkt liegt aber natürlich in der gesamten Ausstellung auf Funden aus den Ausgrabungen in Westfalen.

Die Funde werden teilweise in Grabungslandschaften gezeigt. Dadurch kann man die Arbeit des Archäologen besser begreifen. Sogar ein Knochenfund wird so wirklich spannend und aussagestark.

Im Museum findet man auch viele Multimedia Anwendungen, die sich wirklich lohnen. So erhält man zusätzliche Informationen und auch ein besseres Verständnis für die Zeit des Fundstücks.

In der Außenwand findet man zusätzlich kleine Schaufenster mit Darstellungen der Zeitgeschichte. So erhält man einen Bezug, was gerade an einer anderen Stelle der Welt so los war. Zum Beispiel der Bau der Pyramiden in Ägypten.

Die Ausstellung ist spannend gemacht und abwechslungsreich. Familien sollten aber Kinder nicht unbedingt „alleine“ lassen, da man sich einiges erklären lassen sollte. Dies geht prima gemeinsam, oder an den speziell hierfür entwickelten Familien Sonntagen. Ein absolutes High Light für mich waren die Knochenfunde, an denen die Archäologen noch feststellen konnten, welche Krankheiten die ursprünglichen „Inhaber“ hatten.

Geschwänzt habe ich hingegen das Forschungslabor. Hier kann man die Laborarbeit und die Klärung von zusammenhängen der Ausgrabungen nach vollziehen.

Dies werde ich mir an einem andern Tag mal in Ruhe ansehen, da nach der Dauerausstellung meine Aufnahmefähigkeit anfing nach zu lassen.

Empfehlenswert ist der 5€ kostende Museumsführer. Er ist gut gemacht und hilft bei der späteren Vertiefung der Erlebnisse.

 

Fazit: Ein schönes Museum. Hier sollte man ruhig mal hin fahren und das nicht nur als Westfale.

Es lohnt sich einen der Klappstühle mit zu nehmen, da es zwar „Ecken“ gibt wo man verweilen möchte, aber dort sich leider keine Sitzgelegenheiten befinden.

Etwas Besonderes ist auch die Museumsgastronomie. Der Pächter des Museumscafe-Herne bietet nicht nur ab 9.30Uhr Frühstück an, sondern auch Longdrinks und Speisen. So etwas findet man nicht in jedem Museum.

Mehr unter:

http://www.lwl-landesmuseum-herne.de/

 

Lest auch was Zeitlinien noch bewirken: (Link)

 

Zeche Nachtigall Witten (LWL Museum)

Warumich die Nachtigall erst verstehen musste, das Ergebnis aber durchaus überzeugte.

Wir fuhren in das LWL Museum Zeche Nachtigall im Muttental in Witten und dachten es handelt sich um eine Zechenanlage, wie wir im Ruhrgebiet (zum Glück) noch einige haben. Kohle wird zwar so gut wie nirgendwo mehr  gefördert, doch erhaltenswert sind die Industriekultur und deren gewachsenes Umfeld auf jeden Fall. Darum soll es aber erst später einmal gehen. Nun sind wir erst einmal in der Wiege des Ruhrbergbaus, und was wir hier sehen ist eigentlich eher die Geschichte eines frühen Förderstandorts im Wandel der Zeit.

Die Zeche Nachtigall fördert seit 1743 an dieser Stelle im Stollenbetrieb Steinkohle, beginnt nach 1832 aber die Förderung mit dem ersten Tiefbauschacht (Neptun). Diesem folgt Herkules 1839 und Catharina 1845. Die Betreiber der Zeche hatten es nicht immer einfach, da die Technisierung der Tiefbauschächte den Inhabern damals alles mögliche abverlangte. Also standen technischer Aufwand und damit auch die Investitionen schon früh in einem schlechten Verhältnis zum Ertrag. Die Ruhr als schwieriger  und damals unzuverlässiger Transportweg trug auch dazu bei, dass schon 1892 Schicht im Schacht war und die Zeche den Betrieb einstellte. Das Gelände wurde an den Tiefbauunternehmer Dünkelberg verkauft und dieser errichtete an diesem Standort eine Dampfziegelei und später zwei Ringöfen.

Warum nennt sich dies Museum denn dann noch heute Zeche Nachtigall?

Ganz einfach die Zeche war die erste und wichtigste Ansiedlung dort. Da man in dem alten Stollenbetrieb den wichtigen Tonschiefer abbauen konnte, der als Rohstoff der Ziegel diente,wurde an diesem Ort die Ziegel Brennerei errichtet. Der vorhandene Stollen wurde später auch in ein Nachbartal durch getrieben, um den dort im Tagebau abgebauten Tonschiefer mit Loren auf kürzestem Weg durch den Berg zur Ziegelherstellung befördern zu können. Wichtig für die Brennerei war natürlich auch die direkte Anbindung an das Bahngleis, welches schon in der letzten Phase  der  Zechenförderung  gebaut wurde. Der Umnutzung des Geländes fiel fast die ganzen Tagesanlagen Opfer. Einzig die alte Werkstatt und das Maschinenhaus von Schacht Herkules (um 1867) wurden  umgenutzt  und blieben so erhalten. Weiter blieb natürlich auch der alte Stollen erhalten, den ich aber in einem anderen Punkt noch beschreibe.

Damit die Ursprüngliche Geschichte der Zeche vom Museum noch beschrieben werden konnte, würde in den noch vorhandenen Bauten die Dauerausstellung  untergebracht. In dem Maschinenhaus wurde eine neuere Dampfmaschine an dem ursprünglichen Ort eingebaut. Diese stammte aus der Zeche Haniel und gleicht in etwa der Ursprünglichen Anlage. In dem Ringofen findet man heute die wieder aufgedeckte Öffnung des Schachtes Herkules und einen Teil der Ausstellung über den Bergbau.

Zeche Nachtigall Teil I Die Reste der Zeche

Was sieht man noch alles auf dem Gelände?

Hinter der Werkstatt findet man die „Zeche Eimerweise“. Eine Sammlung rund um die Kleinzechen, die besonders direkt nach dem zweiten Weltkrieg betrieben wurden. Sie förderten nur nahe an der Oberfläche, sind somit auch nur dort gewesen, wo die Flöze auch dicht an die Oberfläche reichen.

So gab es  zwischen Witten, Hattingen und Bochum einig hunderte dieser Anlagen. Manche förderten nur einige Monate, andere hingegen bis in die 70ger Jahre, bis auch die „größeren“ Anlagen nicht mehr wirtschaftlich waren. Diese Kleinzechen sind Ausdruck der Mangelwirtschaft direkt nach dem Krieg. Daher wurden einige auch von Industrie Unternehmen betrieben, die sich so ihre Kohlen selber förderten, bis die Großzechen diese billiger zur Verfügung stellen konnten.

Zeche Nachtigall Teil II Kleinzechen

Die Ziegelei Dünkelberg (Doppel Ringbrennofen) ist das größte Gebäude im Museum. Der erste Ofen beherbergt heute einen Teil der Bergbauausstellung. Im Zweiten befindet sich eine Ausstellung über die Brennerei (Originalstandort). Dieser Ringbrennofen geht auf ein Patent aus dem Jahr 1885 von Friedrich Eduard Hoffmann zurück. Diese Ofenbauweise revolutionierte die Brennerei. Er besteht aus 12 Brennkammern die rundherum nacheinander kontinuierlich gebrannt  werden. Durch den kontinuierlichen Brand wurde mehr und schneller produziert. Die Steine wurden aber auch in der Industriellen Revolution dringend Gebracht und so ging es dem Betrieb wirtschaftlich fast durchgehend gut.Probleme traten nur während der Kriegsjahre auf, da der Betrieb nicht kriegswichtig war.  Der Firma  schloss 1960.

Es war wohl kein besonders angenehmer Arbeitsplatz, aber das hatten damals ja viele Arbeitsplätze gemein.

Zeche Nachtigall Teil III Ziegelei Dünkelberg

Hinter dem Brennofen steht ein Nachbau eines Ruhrnachen (Kohlenschiff). Wir befinden uns also im Teil der Ausstellung, der über den Kohletransport zu Beginn der Zechentätigkeit informiert . Nach 1780 wurde die Ruhr schiffbar gemacht. Es wurden Schleusen und Wehre angelegt und trotz aller Maßnahmen war die Ruhr ein alles andere als einfacher Transportweg. Bei Niedrig- und bei Hochwasser musste der Transport ruhen und die Kohlen häuften sich in der Niederlage der Zeche. Wenn der Transport lief wurden je nach Wasserstand die Kohleschiffe von Hand halb bis voll beladen. Man segelte nun, oder ließ sich von der Strömung treiben. Endstation der Schiffe war dann Ruhrort. Dort wurde dann entladen und die Schiffe wurden per Treidel wieder Flussaufwärts gebracht. Ruhrnachen waren speziell für die Ruhr gebaut und hatten wenig Tiefgang. Nach 1845 wurde der Transport für die Zeche Nachtigall von Fluss auf die Bahn verlegt. Ab 1875 hatte die Zeche eine Verladestelle in der die Loren direkt in die Transportwagen entleert wurden. Gut gelungen ist in der Ausstellung eine Nachproduktion der antiken Ruhrkate in ganzer Länge.

Zeche Nachtigall Teil IV Kohlenschifffahrt

Von der Ruhrnache folgen Sie der Loren Bahn und landen nun automatisch im Besucherstollen. Dieser Stollen kann nur geführt besucht werden. Alle Besucher erhalten ein Geleucht und einen Schutzkittel. Beim Besuch sollte man aber feste Schuhe und nicht gerade Sonntagskleidung tragen. Wichtig ist auch, dass die Besucher keine Raumangst haben. Da man nicht überall aufrecht stehen kann, sollte man auch keine Rückenprobleme haben.

Zeche Nachtigall Teil V Besucherbergwerk

 

Fazit: Ein wirklich gelungenes Technikmuseum! Das Personal  ist sehr freundlich und natürlich besitzt das Museum auch einen themenbezogenen Kinderspielplatz (Wie alle LWL Technik Museen). Die Museumsgastronomie  befindet sich im Außenbereich (teilweise überdacht) hier kann  man kleine Speisen, Erfrischungen und Kaffee und Kuchen genießen. Auf jeden Fall mal Rasten!

Für den Ausflug sollte man einen Tag einplanen.

 

Genießen Sie nach dem Besuch auf jeden Fall auch die Ruhe an der nahen  Ruhr.

 

Zeche Nachtigall Teil 1 – Die Reste der Zeche

Zeche Nachtigall Teil I Die Reste der Zeche

Zeche Nachtigall Teil 2 – Kleinzechen

Zeche Nachtigall Teil II Kleinzechen

Zeche Nachtigall Teil 3 – Ziegelei Dünkelberg

Zeche Nachtigall Teil III Ziegelei Dünkelberg

Zeche Nachtigall Teil 4 – Kohlenschifffahrt

Zeche Nachtigall Teil IV Kohlenschifffahrt

Zeche Nachtigall Teil 5 – Das Besucherbergwerk

Zeche Nachtigall Teil V Besucherbergwerk

Umspannwerk Recklinghausen

Warumich zum umspannen kam ist ganz einfach. Wir fuhren wieder einmal aus dem Münsterland zurück in die Heimat und sahen eins der braunen touristischen Hinweisschilder an der Autobahn „Umspannwerk Recklinghausen“  … und anders als beim letzten Mal, merkte ich mir die Aufschrift bis zu Hause. Rechner an und Googeln das Ergebnis: „Museum für Strom und Leben“

Ist das was? Irgendwas von der RWE, soweit sieht man es durch das Logo auf der ersten Seite, aber was befindet sich in der Ausstellung? Lohnt sich ein Besuch und warum ist das Ganze mir bisher noch nicht bekannt gewesen?

Das sehen wir uns doch mal selber an. Termin ist schnell gefunden und ab nach Recklinghausen. Erste Verunsicherung auf dem Parkplatz, es steht nur unser Auto dort und wir fragen uns ob wir was mit den Öffnungszeiten falsch  gelesen hatten. Nein hatten wir nicht es war offen und es scheint  nicht gerade Saison gewesen zu sein, oder nicht nur ich kennen dieses Museum nicht. Nach Entrichtung des moderaten Eintritts sind wir gespannt  und Elektrisiert was sich in einem so schönen Backsteinbau aus dem Jahre 1926/27 alles verstecken mag.

Ich schicke etwas voraus, was mir erst beim Besuch klar wurde. Das Umspannwerk ist nicht nur ein Museum, sondern vor allem noch immer ein Umspannwerk. Da  die neue Technik aber bei weitem nicht mehr so viel Platz wie bei der ursprünglichen Planung benötigt, wurde der freigewordene Raum noch mit einem Anbau versehen und beherbergt heute so dieses Museum.

Durch die noch vorhandene alte und die noch benötigte neue Technik im Gebäude wirkt die Ausstellung zuerst wenig  sinnvoll gegliedert. Daher schildere ich einmal was jemanden dort erwartet, und halte mich nicht so sehr an die Reihenfolge in der die Gegenstände  zu sehen sind.

Im ersten Obergeschoss des Altbaus ist ein Film zu sehen, dass die alte und neue Technik im Hause erklärt und somit den Bezug zum Bauwerk herstellt. Solange man den Film nicht gesehen hat sind die alten Einbauten für den „normalen“ Besucher erst einmal nur bunte Metall Installationen. Der Film ist sehr informativ und erklärt gut was man im Hause sieht und warum überhaupt Umspannwerke benötigt werden, und wie der „Transport“  des Stromes  vom Kraftwerk bis zu uns nach Hause funktioniert.

Der Rest der Ausstellungsfläche widmet sich dem Thema „Strom und Leben“  Deshalb nun erst einmal zurück in den Eingangsbereich und der Reihe nach beschrieben.

Im Eingangsbereich finden sich Experimente und Versuchsaufbauten zur Elektrisierung und einige alte Generatoren zur Stromgewinnung. Es wird also die Grundlage der Elektrifizierung beschrieben.

Rechter Hand im Anbau ist eine Halle in der Elektroautos ausgestellt sind. Dies ist in meinen Augen der „schwächste“ Teil der Ausstellung, da wenig erklärt wird und sich mir das Konzept nicht erklärte.

Im Untergeschoss des Altbaus befindet sich die begehbare Asservatenkammer und die Werkstätten, welche nur bei Programm und bei angemeldeten Schulklassen genutzt werden. In der Asservatenkammer stehen Ausstellungsstücke, die es in die eigentliche Ausstellung nicht geschafft haben, aber trotzdem sehenswert sind. Da diese Gegenstände nicht in der Ausstellung stehen fehlt natürlich jegliche Beschreibung.  Wir fanden den Bereich aber auch ohne dies sehenswert.

Im Obergeschoss des Neubaus ist nun die eigentliche Ausstellung. Hier finden  Sie die Zeugnisse der Elektrifizierung unserer Gesellschaft. Im ersten Teil sieht man die Exponate aus der Industrie, der Bürowelt bis hin zum Handwerk und dem Heilwesen. Die Exponate sind aus mehreren „Epochen“ zeigen also auch den Fortschritt und die Weiterentwicklung.

Im Anschluss daran stehen dann Exponate aus dem Privaten Haushalt. Es wird dargestellt wie auch im privaten Haushalten langsam aber sicher immer mehr Werkzeuge und Gegenstände elektrifiziert wurden. Erst der Waschbottich das Licht und der Herd, dann immer mehr  Gegenstände bis hin zur Unterhaltungselektronik und der Freizeitgestaltung. Alles was geht hat heute anscheinend einen Stromanschluss erhalten, wenn auch das ein oder andere mich doch zum schmunzeln brachte, da für mich nicht jede Elektrifizierung  unbedingt einen Sinn Ergibt. Ok es gibt bestimmt Menschen, die einen elektrischen Jogurt Bereiter toll finden, aber braucht man so etwas wirklich?

Ob sinnvoll oder nicht, alle Gegenstände findet man nun hier als breiten Querschnitt und ich bin mir sicher, dass Sie so wie ich auch den einen oder anderen Klassiker wieder entdecken werden.

In der Abteilung Freizeitgestaltung  möchte ich besonders den nachgebauten Kinosaal empfehlen. Hier wird ein kleiner Film gezeigt, der uns sehr gefallen hat.

Fazit auf die Schnelle:

Es lohnt sich ein Besuch! Anders als ich erst befürchtete ist es keine „Werbesendung“ für einen unser Stromerzeuger und warum ich noch nie hier war kann nur an der Eigenwerbung liegen.

Der Zeitaufwand liegt etwa bei 3 Stunden, also perfekt für einen verregneten Nachmittag.

Das Personal war sehr freundlich und aufmerksam.

Parken am Haus ist kostenfrei möglich.

Das Fotografieren im Hause ist nur möglich, wenn man vorher ein Dokument ausfüllt in dem man sich verpflichtet die privaten Bilder nicht im Internet zu verbreiten. Dies ist auch der Grund, warum mein Bericht ganz ohne Fotos auskommen muss.